Was ist Neuraltherapie?

  1. Wie wirkt sie?
  2. Was ist ein Störfeld?
  3. Was ist Procain?
  4. Wann wird Neuraltherapie eingesetzt?
  5. Wann darf Neuraltherapie nicht oder nur eingeschränkt angewendet werden?
  6. Tut Neuraltherapie weh?
  7. Wo und wie oft wird Neuraltherapie angewendet?
  8. Auf welchen Grundlagen basiert Neuraltherapie?
  9. Wer darf Neuraltherapie ausführen?
  10. Wird Neuraltherapie von der Krankenkasse bezahlt?

1. Wie wirkt sie?

Neuraltherapie (NT) ist eine Behandlungsmethode, welche die vernetzten Eigenschaften des vegetativen Nervensystems nutzt. Durch eine korrekte Einspritzung von Procain in kleinen Mengen an einer bestimmten Stelle am Nervensystem wird die Selbstregulierung (Autoregulation) stimuliert, so dass die Selbstheilung des Körpers einsetzen kann.

Hellgrün eingefärbte vegetative Nervenfasern reichen bis in die oberste Hautschicht (violett - rot)

Die NT setzt Kenntnisse des Nervensystems und dessen Funktionsweise (Neuroanatomie und Neurophysiologie) voraus. Das Vegetative Nervensystem spielt dabei eine zentrale Rolle. Es endet in einem feinen Netzwerk im Grundsystem. Das Grundsystem ist ebenfalls ein feines Netzwerk, welches jede Zelle umschliesst und im ganzen Körper vorhanden ist. Das vegetative Nervensystem leitet Informations- und Regulationsvorgänge. Dies ist nötig, damit unser Körper sich rasch an verschiedenste Reize (Ernährung, Anstrengung, Temperaturänderung, Abwehr gegen Bakterien und Viren etc.) anpassen kann. Bei einer Erkrankung des Organismus liegt immer eine Störung der Informations- und Regulationsverarbeitung vor.

Die individuell verschiedenen Reaktionen des Körpers auf die neuraltherapeutische Anwendung geben wichtige diagnostische Hinweise über den Gesamtorganismus: Der Körper reagiert gelegentlich mit einer Verschlechterung, oft jedoch mit Besserung oder Abheilung der aktuellen Beschwerden. Vereinzelt treten neue Beschwerden an einer anderen Körperstelle auf. Diese entsprechen typischerweise früheren Erkrankungen (z.B. Nebenhöhlenentzündung oder Narben durch Verletzungen und Operationen, welche nicht vollständig ausgeheilt sind und in der NT Störfelder genannt werden).

2. Was ist ein Störfeld (=neuromodulatorischer Trigger)?

Ein Störfeld ist eine chronische Reizstelle im Körper, meist im Kopfbereich (Mandeln, Zähne, Kiefer, Nebenhöhlen), welche nicht direkt wahrgenommen wird, aber die Regulation – und damit die Selbstheilung – des Körpers stören oder blockieren kann. Eines oder mehrere Störfelder können gezielt durch NT behandelt werden. Gelegentlich sind zusätzlich Zahnbehandlungen (z.B. Entfernung der Weisheitszähne) notwendig.

3. Was ist Procain?

Procain ist ein Lokalanästhetikum, ähnlich wie es beim Zahnarzt angewendet wird. Procain hat verschiedene Vorteile gegenüber den üblichen angewendeten Lokalanästhetika: Es hat keine Zusatzstoffe, welche Nebenwirkungen auslösen können, es fördert die Durchblutung an der erkrankten Körperstelle und es wird im Körper innert 20 Minuten abgebaut. Es kann auch im Fall einer Schwangerschaft und bei Kindern angewendet werden.

4. Wann wird Neuraltherapie eingesetzt?

Bei einer akuten Erkrankung ist der auslösende Reiz, also der Grund für die Krankheit (z.B. eine Infektion oder eine Verletzung), meist gut erkennbar und wird in der Schulmedizin korrektiv (z.B. durch eine Operation) oder symptomatisch (z.B. mit Antibiotika oder mit Schmerzmitteln) behandelt.

Bei chronischen und insbesondere bei über Jahre anhaltenden Erkrankungen wie chronischen Kopfschmerzen, Gelenkerkrankungen, chronischen Nacken-Schulterverspannungen, Hautleiden, Asthma, chronischen Magen-Darmbeschwerden etc. ist der auslösende Reiz bzw. die Ursache hingegen oft nicht mehr herauszufinden. Hier liegt die Stärke der Neuraltherapie.

Die NT kann nicht nur bei akuten, sondern auch bei ca. 80% aller chronischen Erkrankungen angewendet werden, nicht aber bei zerstörter Regulation (z.B. Tumoren), zerstörter Struktur (wie bei Leberzirrhose) oder bei Mangelzuständen wie z.B. Eisen- oder Vitaminmangel.

Die NT kann mit jedem schulmedizinischen Verfahren kombiniert werden. Sie stellt eine effektive, risikoarme und ganzheitliche Therapiemethode dar.

5. Wann darf Neuraltherapie nicht oder eingeschränkt angewendet werden?

Bei Patienten mit blutverdünnenden Medikamenten darf die NT nicht oder nur eingeschränkt angewendet werden.

6. Tut Neuraltherapie weh?

Bei der NT werden sehr feine und daher nicht so schmerzhafte Spritzen für die empfindliche Haut verwendet, welche meist gut bis sehr gut vertragen werden.

7. Wo und wie oft wird Neuraltherapie angewendet?

Die NT wird in erster Linie an der Stelle angewendet, wo der Schmerz oder die Funktionsstörung auftritt. Narben auf der Haut können nach Verletzungen oder Operationen schmerzhaft, empfindlich oder „wetterfühlig“ sein. Hier ist nach 1-2 Behandlungen in 90% ein Erfolg zu beobachten. Neben der Haut können gezielt bestimmte Nerven, Gelenke oder Organe wie Herz und Lunge über Ganglien (Schaltstellen, welche die Funktion von Organen oder grösseren Körperregionen steuern) mitbehandelt werden.

Bei akuten und einfachen Störungen können individuell verschieden 1-4 Behandlungen genügen, bei chronischen und komplexen Krankheitsbildern sind durchschnittlich 8 Behandlungen zur Besserung oder Ausheilung erforderlich. Rückfälle sind wie bei schulmedizinischen Behandlungen möglich und können erneute Anwendungen erfordern.

8. Auf welchen Grundlagen basiert Neuraltherapie?

1925 entdeckten die Ärzte Ferdinand und Walter Huneke aus Deutschland die Heilwirkung des intravenös gespritzten Betäubungsmittels Procain. Durch intensive Beobachtung und Weiterentwicklung der Methode legten sie den Grundstein der NT. Seither werden zunehmend wissenschaftliche Grundlagen zum besseren Verständnis erarbeitet (Regulationspathologie Rickers, Neuralpathologie Speranskis, Arbeiten der Wiener Gruppe Prof. Pischinger etc.).

9. Wer darf Neuraltherapie ausführen?

Ein ausgebildeter Schulmediziner mit dem Fähigkeitsausweis für Neuraltherapie FMH.

10. Wird Neuraltherapie von der Krankenkasse bezahlt?

Die Leistungen der Neuraltherapie werden von der Grundversicherung übernommen.

Weitere Informationen: Schweizerische Ärztegesellschaft für Neuraltherapie (SANTH)